Risikolebensversicherung trotz HIV

Was vor einigen Jahren noch undenkbar war, ist heute tatsächlich möglich. Die Rede ist von einer Risikolebensversicherung für HIV-Infizierte. Woher kommt der Stimmungswandel der Versicherungswirtschaft? Ende der achtziger Jahre warnte ein Vorstand einer Versicherung noch explizit davor, eine Risikolebensversicherung trotz HIV abzuschließen. Das Kostenrisiko für die Gesellschaften sei immens.

Medizinischer Fortschritt zeigt langfristige Erfolge

HIV-infizierte Menschen haben im Hinblick auf Hinterbliebenenabsicherung die gleichen Bedürfnisse, wie Personen, die nicht mit dem Virus infiziert sind. Bis vor Kurzem sah sich die Versicherungswirtschaft allerdings nicht in der Lage, diesen Bedürfnissen durch ein entsprechendes Tarifangebot für eine Risikolebensversicherung für HIV-Positive entgegenzukommen. Dieser Sachverhalt hat sich jetzt grundlegend geändert.

Der Rückversicherer Gen Re begründet die Option, eine Risikolebensversicherung auch bei positivem HIV Test anbieten zu können, mit fundierten Datenreihen. Die Versicherer können heute aufgrund der vorliegenden, inzwischen über Jahrzehnte reichende Datensätze solide Risikokalkulationen anstellen.

Eine Studie der Swiss Re aus dem Jahr 2013 ergab, dass eine Person, die sich im Alter von 30 Jahren infizierte und zeitnah mit der Behandlung begann, eine Lebenserwartung von 75 Jahren hat. Dies sind nur sieben Jahre weniger als eine nicht-infizierte Person. Das Interessante ist, dass die Lebenserwartung bei Rauchern ebenfalls 75 Jahre beträgt. Der HIV-Patient darf sich allerdings nicht zusätzlich mit Hepatitis C infizieren.

Angebot für rund 50 Prozent der Erkrankten

Eine Risikolebensversicherung für HIV positiv Getestete ist unter anderem durch eine seit einigen Jahren erfolgreiche Medikation möglich. Eine antiretrovirale Medikation, ein Medikamentencocktail, führt bei frühzeitiger Erkennung der Infektion zu erstaunlichen Ergebnissen, wie die Studien der beiden Rückversicherer belegen.

Auch wenn bislang keine Langläufer, Verträge mit 40 Jahren Dauer, möglich sind, könnten rund die Hälfte aller Erkrankten eine Risikolebensversicherung auch mit HIV abschließen. Die Versicherungsdauer kann bis zu 20 Jahren betragen. Für diesen Zeitraum lassen sich inzwischen die Prognosen zur Lebenserwartung, wie bereits geschildert, mit belastbaren Daten erstellen.
Im Gegensatz zum amerikanischen Markt halten sich die deutschen Anbieter allerdings mit der Veröffentlichung der Machbarkeit noch recht bedeckt. Der US-Versicherer Prudential bot zum Welt-AIDS Tag 2015 erstmals eine Risikolebensversicherung für HIV-Patienten an, der Mitbewerber John Hancock zog im Jahr April 2016 nach.

Im Gegensatz zu Tarifen für Raucher, die mit einem pauschalen Risikozuschlag belegt werden, setzen die deutschen Versicherer bei einer Aids-Infektion allerdings noch eher auf individuelle Risikoprüfungen. Die Risikozuschläge können rund 30 Prozent der Prämie ausmachen, entsprechen damit in der Höhe des Mehrbeitrages, den auch Diabetiker entrichten müssen.

Die Tatsache, an einer HIV-Infektion zu leiden, sollte niemanden davon abhalten, die Hinterbliebenenabsicherung durch eine Risikolebensversicherung mit HIV aktiv zu gestalten. Der Vergleichsrechner gibt einen ersten Überblick über mögliche Prämien. Die Details lassen sich dann im Rahmen der Antragstellung klären.